EDITORIAL
Neun Jahre nach dem Hurrikan Mitch brachte wieder ein Wirbelsturm Tod und
Zerstörung nach Nicaragua. Diesmal war die Region der nördlichen Atlantikküste
von der Katastrophe betroffen. Doch im Unterschied zu damals, als die
Rettungsmaßnahmen unter Präsident Alemán nur zögerlich anliefen und ein großer
Teil der Hilfe in dunklen Kanälen versickerte, reagierte die Regierung diesmal
schnell; auch ausländische Hilfsteams waren schnell vor Ort, u.a. aus Kuba und
den USA.
Wir ersuchen unsere LeserInnen um Unterstützung der Opfer; die Hilfe wird über
Günter Pilz, langjähriger Entwicklungshelfer in Nicaragua, kanalisiert.
Für alle FreundInnen von Gioconda Belli gibt es eine gute Nachricht: Die
nicaraguanische Dichterin und Erfolgsautorin kommt wieder nach Österreich und
wird diesmal einen Querschnitt durch ihr lyrisches Schaffen präsentieren. Und
eine kurze, doch für Nicaragua wichtige Meldung: Die Exporte liegen heuer im
ersten Halbjahr ein ganzes Fünftel über den Ausfuhren des letzten Jahres !
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WIEDER
WIRBELSTURM-KATASTROPHE
Fast ein Jahrzehnt nach dem Hurrikan ‚Mitch’ brachte wieder ein tropischer
Wirbelsturm Nicaragua Tod und Verderben. Die Opferzahl an der Atlantikküste
dürfte bei weit über hundert Menschen liegen.
Am Dienstag, dem 4. September, näherte sich der Hurrikan ‚Felix’ mit einer
Geschwindigkeit von 260 Stundenkilometern dem nördlichen Teil der
nicaraguanischen Atlantikküste. Viele Menschen waren auf die herannahende
Katastrophe nicht gefasst, da erst 24 Stunden vorher Katastrophenalarm gegeben
worden war. Die meisten Männer der Miskito-Region waren beim Eintreffen des
Wirbelsturms zum Fischen auf See gewesen. Frauen und Kinder flüchteten sich in
Boote, die aber wegen Überladung schnell untergingen. Viele Dörfer in der
abgelegenen Region waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Honduras
erreichte der Wirbelsturm bereits in abgeschwächter Form, doch dürften auch dort
52 Tote zu beklagen sein.
Trauer und Verzweiflung
unter der Miskito-Bevölkerung an der Atlantikküste (Foto: La Prensa)
War anfänglich nur von wenigen Todesopfern die
Rede, so wurde erst Tage später das ganze Ausmaß der Katastrophe bekannt. Die
Tageszeitung „La Prensa“ berichtete am Samstag von 170 Leichen, die in der
Autonomen Region Atlantikküste-Nord (RAAN) und in Honduras gefunden wurden. Die
Bürgermeistern von Bilwi (Puerto Cabezas), Elizabeth Enríquez, sprach von 278
Vermissten auf den Cayos Miskitos, einem der Küste vorgelagerten Inselarchipel.
Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden in Nicaragua 70.000 Menschen vom
Wirbelsturm betroffen, 18.5000 wurden evakuiert, an die 17.000 Häuser zerstört
oder beschädigt.
In der Katastrophenzone sind 20 nicaraguanische Ärztebrigaden sowie Helfer aus
Kuba, den USA und Venezuela im Einsatz Das Landesinnere der Re-gion
Atlantikküste war tagelang nicht erreichbar, da die Straßen unpassierbar und die
Flüsse aus den Ufern getreten waren.
Der Ort Sandy
Bay wurde fast völlig verwüstet.
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EIN HILFERUF AUS NICARAGUA
Günter Pilz, der jahrelang in der Katastrophenregion als Entwicklungshelfer
tätig war, schickte uns folgenden Text mit einem Spendenaufruf:
Wieder einmal hat eine Naturkatastrophe die Ärmsten getroffen: Hurrikan „Felix"
(welch sarkastischer Name !) ist über die Atlantikküste Nicaraguas
hereingebrochen und hat auf seinem Weg Menschenleben, Häuser, Infrastruktur und
viele Hoffnungen zerstört.
Meine ehemalige Arbeitskollegin Melba McLean in Bilwi hat mir gerade verzweifelt
am Telefon berichtet, dass der Sturm alle Bäume in ihrem Garten ausgerissen und
auf das Haus geschleudert hat. Das Dach ist vollkommen kaputt, und auch die
Mauern wurden stark beschädigt. Was sie und ihre Familie in langen Jahren
geschaffen haben, wurde in wenigen Minuten zerstört.
Auch in Bonanza, wo ich mehrere Jahre lang gearbeitet habe, wurden mehr als 200
Häuser zerstört, ein ehemaliger Bekannter ist nur durch Glück mit Hilfe seiner
Freunde aus einem übergetretenen Fluss gerettet worden.
Nach letzten Zählungen der Regierung sind 6.640 Familien obdachlos. Die
Hausdächer wurden weggetragen, Bäume stürzten um und vernichteten die Häuser.
18.600 Personen sind direkt betroffen, das heißt sie haben Haus und Hof
verloren. Die Zahl der Todesopfer steigt ständig.
Die größte Gefahr droht allerdings durch die Seuchen, da viele Leichen und
Tierkadaver nicht schnell genug weggeschafft werden können. 5.200 Brunnen sind
verseucht - d.h. es gibt kein Trinkwasser. Am Rio Coco steigt das Hochwasser
nach wie vor, was dazu führen wird, dass weitere Siedlungen am Fluss betroffen
sein werden.
Es drohen auch Versorgungsengpässe, denn die Erne ist vernichtet. Es gibt ein
Sofortaktionsprogramm zur Neuaussaat, denn man muss die Regenmonate jetzt
nutzen, um noch Grundnahrungsmittel anzubauen.
Die Situation ist kritisch, Nicaragua und seine Menschen benötigen erneut unsere
Solidarität.
Wir haben vorerst einmal US$ 5.000.00 Soforthilfe an unsere vertrauensvolle
Kontaktperson in Bilwi (Puerto Cabezas) überwiesen.
Man liest viel über Katastrophen in der ganzen Welt. Es ist traurig, weil man
nicht überall helfen kann. Wenn aber persönliche FreundInnen, ArbeitskollegInnen
und Bekannte direkt betroffen sind und einem ihr Leid am Telefon oder persönlich
schildern, dann versucht man doch, im möglichen Rahmen zu helfen.
Wir ersuchen euch, unsere Bemühungen in dieser Krisensituation zu unterstützen
und auf unser Nicaragua – Konto eine Spende einzuzahlen.
Im voraus vielen Dank für eure Hilfe !
Günter & Orlinda Pilz
www.nicaraguanet.org
nicaraguanet@gmail.com
| Spenden bitte auf folgendes Konto:
In Österreich: Konto: Nicaragua, Hypo Landesbank, BLZ
54000, Konto-Nr. 107 656 431. |
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LULA
AUF STAATSBESUCH
Während Venezuelas Präsident Hugo Chávez im vergangenen Monat mehreren Staaten
des südlichen Lateinamerika einen Besuch abstattete, tourte sein brasilianischer
Amtskollege durch den Norden der Hemisphäre.
In der ersten Augustwoche traf der Regierungschef des größten
lateinamerikanischen Staates und der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt,
Inácio „Lula“ da Silva, zu seinem ersten Staatsbesuch in Managua ein. Vor
Nicaragua hatte der brasilianische Präsident bereits Mexiko und Honduras
besucht, nachher standen Jamaica und Panama auf dem Reiseprogramm. Lula äußerte
seine Zufriedenheit darüber, dass Daniel Ortega nach 17-jähriger Abwesenheit
wieder an die Macht gelangen konnte. „Ich bin bereit, alle möglichen Abkommen zu
schließen, um zum wirtschaftlichen Wachstum, zur Entwicklung und zur sozialen
Gerechtigkeit hier in Nicaragua beizutragen“, zeigte sich Lula hilfsbereit.
Insbesondere wolle Brasilien Nicaragua bei der Durchführung des „Null
Hunger“-Programmes unterstützen, jenes Projekt der Armutsbekämpfung, das Lula
gleich nach seinem Amtsantritt 2002 initiiert und das mittlerweile in
Lateinamerika schon mehrere Nachahmer gefunden hat. Wie wir in den
„Nicaragua-Nachrichten“ schon berichtet haben, startete die sandinistische
Regierung vor wenigen Monaten in einigen ländlichen Regionen ein ähnliches
Programm.
Die Rückkehr zu Freunden
Für Lula war es sein fünfter Besuch in Nicaragua, jedoch der erste in seiner
Eigenschaft als Staatspräsident. „Es ist ein anderes Gefühl, als Präsident
Brasiliens zurückzukehren“, beschrieb er diese Tatsache und erinnerte an seinen
ersten Besuch 1980, zu Beginn der sandinistischen Regierungsdekade, damals noch
als Gewerkschafter und Führer der brasilianischen Arbeiterpartei. Lula hatte
Ortega auch schon bei mehreren Konferenzen lateinamerikanischer Linksparteien
und -bewegungen getroffen.
„Brasilien kann mit Nicaragua viele Bündnisse ohne irgendwelche hegemonialen
Bestrebungen schließen“, versicherte Lula seinem nicaraguanischen Amtskollegen.
„Diese Hegemonie hat uns viele Jahre lang im kolonialen Status gefangen
gehalten. Wir wollen die Souveränität, wir wollen aus unserem eigenen
Bewusstsein heraus regieren, und mit dieser Geisteshaltung unternehme ich auch
diese Reise.“
Der brasilianische Präsident stellte Ortega eine enge Zusammenarbeit in den
Bereichen Infrastruktur, Landwirtschaft, Transport, Gesundheit und Erziehung in
Aussicht. Besonders wolle er Nicaragua bei der Energieversorgung unterstützen.
„Mit häufigen Stromausfällen kann eine Wirtschaft nicht wachsen“, betonte Lula:
„Ein Land muss sich entwickeln und Arbeitsplätze schaffen, und das ist mit
siebenstündigen Stromausfällen am Tag nicht möglich“.
Beim gleichzeitig stattfindenden Nicaraguanisch-Brasilianischem Forum für
Investitionen und Zusammenarbeit, an dem 30 brasilianische Unternehmer
teilnahmen, wurden zahlreiche Projekte der wirtschaftlichen und technischen
Zusammenarbeit besprochen.
Während Präsident Chávez im Süden des Kontinents für sein Lieblingsprojekt der
südamerikanischen Gas-Pipeline warb, war Hauptgrund von Lulas Reise wohl, so die
Vermutung von Kennern der brasilianischen Politik, die besuchten Staaten zu
einer Intensivierung der Ethanol-Produktion, unter Verwendung des entsprechenden
Know-hows von Brasilien, anzuregen. Nicaragua exportiert seit kurzem diesen aus
Zuckerrohr gewonnenen Treibstoff, vor allem auf den europäischen Markt.
Diskussionspunkt Agro-Sprit
Lula und Ortega diskutierten in aller Öffentlichkeit die Frage des aus
pflanzlichen Rohstoffen gewonnenen Treibstoffs (die auch verwendete Bezeichnung
„Bio-Sprit“ verkennt die Tatsache, dass die vegetale Basis dieses Treibstoffs
nichts mit biologischem Anbau zu tun hat). Dabei sparte der nicaraguanische
Präsident nicht mit Seitenhieben auf die USA. „Es ist völlig unzulässig und ein
Verbrechen, Treibstoff aus Mais herzustellen, wie das die Vereinigten Staaten
tun“, so Ortega. Das sei ein Angriff auf die Ernährungssicherheit Nicaraguas und
vieler anderer Staaten Lateinamerikas und Afrikas. Hier stimmte der
brasilianische Staatschef auch zu:
„Ethanol in Nicaragua auf der Basis von Mais herzustellen, wäre so, als würde
man in Brasilien diesen Treibstoff aus Bohnen produzieren, also unmöglich.“ Lula
verteidigte jedoch die Produktion von Ethanol als Treibstoff der Zukunft, da es
weniger umweltschädlich sei und den armen Ländern des Südens eine
Entwicklungschance gebe. Einig waren sich die beiden Staatschefs darin, dass die
Herstellung von Benzin aus dem Zuckerrohr sehr wohl akzeptabel sei und keine
Gefahr für die Ernährungslage der Bevölkerung darstelle.
Brasilien ist weltweit der größte Hersteller von Ethanol und besitzt auf diesem
Gebiet auch das fortgeschrittenste Know-how. Der Zuckerrohranbau zur Gewinnung
von Ethanol bedecke in Brasilien nur ein Prozent der 440 Millionen Hektar
kultivierbaren Bodens, erklärte Lula.
Präsident Lula
bei seiner Rede in der Parteizentrale der FSLN in Managua. (Foto: Manuel López,
END)
Nicaragua steigert
Ethanol-Produktion
In Nicaragua erzeugt derzeit die Zuckerrohrplantage San Antonio in Chichigalpa,
im Eigentum der Unternehmensgruppe Pellas, Treibstoff aus Ethanol. Im
vergangenen Ernte-Zyklus, von November bis Mai, wurden 100.000 Liter Ethanol
täglich produziert, wovon der Großteil in den Export nach Europa geht. Nach
Angaben von Mario Amador, Vorsitzender der Nationalen Zuckerproduzenten, soll
diese Menge heuer auf 450.000 Liter gesteigert werden und im Zyklus 2008/2009
überhaupt auf eine Million Liter täglich. Dieses Wachstum soll durch den
Eintritt der Unternehmen Monte Rosa, Montelimar und Benjamín Zeledón in den
Ethanol-Markt erreicht werden.
Für das Jahr 2007 werden aus dem Ethanol-Export Deviseneinnahmen in der Höhe von
20 Mio US$ erwartet. Der Großunternehmer Carlos Pellas wird noch im September
nach Brasilien reisen, um die Zusammenarbeit mit den brasilianischen
Ethanol-Erzeugern zu intensivieren.
PS: Ethanol kann als Treibstoff für Ottomotoren, Brennstoffzellen und
Turbinen eingesetzt werden. Diese können entweder in Fahrzeugen (z.B.
Kraftfahrzeugen oder Flugzeugen) oder zur stationären Stromerzeugung eingesetzt
werden. Dabei wird reines Ethanol (sog. E100) und Mischungen aus Ethanol mit
Benzin oder anderen Alkoholen (z. B. Methanol) verwendet.
Ethanol wird dabei in unterschiedlichen Anteilen mit Benzin gemischt, um sowohl
den Benzinbedarf als auch die Umweltbelastung zu reduzieren.
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ICH ENTSCHEIDE MEIN LEBEN !
Eine Kampagne zur Wiederherstellung des straffreien Schwangerschaftsabbruches
bei Vergewaltigung oder Lebensgefahr für Mutter oder Kind.
Große Empörung, vor allem unter Menschenrechts- und Frauenorganisationen, rief
in Nicaragua und im Ausland das Gesetz Nr.103 hervor, das die Abtreibung selbst
bei Vergewaltigung oder Lebensgefahr für Mutter oder Kind unter hohe Strafen
stellt. Diesem bereits im Wahlkampf zu den Präsidentenwahlen erlassenen Gesetz
hatten auch die sandinistischen Abgeordneten zugestimmt (siehe
„Nicaragua-Nachrichten“ Nr.360 und 362).
Der Nicaragua-Verein Hamburg startete nunmehr mit dem Aufruf "Ni una muerta mas
- Keine einzige Tote mehr" die Kampagne "Yo decido mi vida - Ich entscheide mein
Leben". Der Aufruf appelliert an den nicaraguanischen Parlamentspräsidenten René
Núñez Téllez, sich für die Wiederherstellung eines straffreien aborto
terapéutico (Schwangerschaftsabbruch nach medizinische Verschreibung)
einzusetzen,
Wir würden uns freuen, wenn ihr die Kampagne unterstützt, indem ihr einen Link
auf eure Webseite setzt, Protestpostkarten schreibt und Protestmails sendet.
Weitere Informationen über die Kampagne, die Postkarten und die Protestmails
gibt es auf der Internetseite: www.yodecidomivida.org
Die Unterstützung des Protestes der Frauen- und Menschenrechtsorganisationen in
Nicaragua zeitigt erste kleine Erfolge. In der digitalen Zeitung "La Gente"
wurde dieser Aufruf mit Stand vom 4. September 2007 während der drei darauf
folgenden Tage veröffentlicht: http://www.radiolaprimerisima.com/noticias/19174
Die Kampagnenseite ist inzwischen auch auf der zentralen Plattform Nicaraguas
für die Wiederherstellung des Rechtes auf medizinisch indizierten
Schwangerschaftsabbruch per Link zugänglich: http://www.abortoterapeutico.org/
Da in der nicaraguanischen Nationalversammlung die Reform des Strafrechtes
erneut auf der Tagesordnung steht, ist es dringlich, den Protest kurzfristig
auszuweiten! Deshalb bitten wir euch, unseren Aufruf an möglichst viele Freunde
und Organisationen weiterzuleiten und selbst die Protestmail abzusenden, bevor
andere Dinge dazwischen kommen.
Vielen Dank im Voraus und schönen Gruß
Peter Borstelmann, Nicaragua-Verein Hamburg
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UNSERE
TRAURIGKEITEN
Ein Essay von Gioconda Belli, geschrieben am 5. September, einen Tag nach der
Wirbelsturm-Katastrophe an der Atlantikküste.
Wohin soll ich dieses Land meiner Seele hintun, damit niemand es weiter schlägt
?
Das verletzte Nicaragua blutet Schlamm aus den offenen Wunden seines Herzens.
Manchmal möchte ich Nicaragua festhalten, es wiegen und ihm ein Wiegenlied
singen. Das habe ich in dem eingangs zitierten Gedicht geschrieben, das nach der
Mitch-Tragödie entstand. Das Wiegenlied lautet folgendermaßen:
Schlaf Nicaragua,
schlaf, mein Liebling,
schlaf, kleines Land
meines Herzens.
Der kubanische Dichter Nicolás Guillén sagte, dass er der Insel Kuba Ruder
anlegen möchte, um sie weit weg von Miami zu bringen. Schade, dass die Erde so
schwer ist und wir sie nicht aufheben können und vor allen Übeln beschützen. Und
dass wir vor allem die Menschen nicht behüten können, die von der Wut der
Elemente bestraft werden.
Ich freue mich, dass die Regierung schnell reagiert hat und die Zahl der Opfer
gering ist. Ich freute mich und verspürte Bewunderung, dass die
Gesundheitsministerin sofort nach Puerto Cabezas flog, um unverzüglich die
Schäden zu sehen und Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Ich muss gestehen, dass ich von
all den Regierungsfunktionären sie am meisten schätze. Sie ist stark, ruhig und
eine entschlusskräftige Frau, die sofort medizinische Hilfe anordnete.
Es ist heldenhaft, ein Gesundheitssystem wie das unsere herzunehmen und
versuchen, es zu verbessern. Und noch heldenhafter ist es, das unter
Katastrophen-Bedingungen zu versuchen. So dass ich als Frau stolz bin auf sie
und sie beglückwünsche. Hoffentlich erhält sie auch alle erforderliche
Unterstützung dabei. Und hoffentlich bringt ihre Heldenhaftigkeit sie dazu, in
dem gar nicht so heroischen, doch alltäglichen Kampf gegen diesen lautlosen
Hurrikan, den die Bedrohungen gegen das Leben der Frauen darstellen, eine
Vorreiterrolle zu spielen. Im Bereich der häuslichen Gewalt etwa, oder bei der
fehlenden Familienplanung, oder bei diesem fragwürdigen und tödlichen Gesetz,
das den Frauen den Schwangerschaftsabbruch verbietet, selbst wenn sie sich in
Lebensgefahr befinden.
Doch ich möchte weder vom Thema abweichen noch von der Tragödie der vielen von
ihrem Land vertriebenen Menschen, sondern nur darauf hinweisen, wie
beeindruckend und schön jene Energien sind, die in den aus verschiedenen Gründen
hervorgerufenen Niederlagen durch die Solidarität ausgelöst werden. (…)
(Entnommen „El Nuevo Diario“, 9. 9. 07.
Vollständiger Text siehe
http://blogs.elnuevodiario.com.ni/articulos/221/blog-quincenal-belli-nuestras-tristezas)
GIOCONDA BELLI WIEDER AUF ÖSTERREICH-TOURNEE
Im Oktober wird die nicaraguanische Dichterin und Erfolgsautorin in mehreren
Städten
auftreten, begleitet von dem Grupo Sal.
Bei der diesjährigen Tournee wird Gioconda Belli aus einem Querschnitt ihrer
Gedichte lesen und so drei Jahrzehnte eines leidenschaftlichen Frauenlebens an
uns vorbeiziehen lassen. Die erotischen Gedichte der jungen Gioconda lösten im
katholisch-strengen Nicaragua einen Skandal aus, die Gedichte der reifen Autorin
resümieren die Erfahrungen, betrauern Abschiede – und entfachen doch immer
wieder neue Feuer, getrieben von der Lust am Leben. Gioconda Bellis Lyrik von
den 70er-Jahren bis heute sind Zeugnis von poetischer Kraft, Sinnlichkeit und
dem Willen, das eigene Leben und den Lauf der Welt zu gestalten.
Die Übersetzungen werden, wie schon bei der Tournee vor zwei Jahren, von der
Schauspielerin Viola Gabor vorgetragen. Musikalisch begleitet wird die Lesung
vom Gruppe Sal, die heuer ihr 25-jähriges Jubiläum feiern.
Termine:
16.10.: Posthof Linz, 20 Uhr
17.10.: Karl-Franzens-Universität Graz, 20 Uhr
18.10.: Saal der Fernwärme Wien, 19 Uhr 30
19.10.: Literaturhaus Salzburg, 20 Uhr
20.10.: Treibhaus Innsbruck, 20 Uhr.
Nähere Infos auf www.panyarte.org.
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UNSERE
TRAURIGKEITEN
Ein Essay von Gioconda Belli, geschrieben am 5. September, einen Tag nach der
Wirbelsturm-Katastrophe an der Atlantikküste.
Wohin soll ich dieses Land meiner Seele hintun, damit niemand es weiter schlägt?
Das verletzte Nicaragua blutet Schlamm aus den offenen Wunden seines Herzens.
Manchmal möchte ich Nicaragua festhalten, es wiegen und ihm ein Wiegenlied
singen. Das habe ich in dem eingangs zitierten Gedicht geschrieben, das nach der
Mitch-Tragödie entstand. Das Wiegenlied lautet folgendermaßen:
Schlaf Nicaragua,
schlaf, mein Liebling,
schlaf, kleines Land
meines Herzens.
Der kubanische Dichter Nicolás Guillén sagte, dass er der Insel Kuba Ruder
anlegen möchte, um sie weit weg von Miami zu bringen. Schade, dass die Erde so
schwer ist und wir sie nicht aufheben können und vor allen Übeln beschützen. Und
dass wir vor allem die Menschen nicht behüten können, die von der Wut der
Elemente bestraft werden.
Ich freue mich, dass die Regierung schnell reagiert hat und die Zahl der Opfer
gering ist. Ich freute mich und verspürte Bewunderung, dass die
Gesundheitsministerin sofort nach Puerto Cabezas flog, um unverzüglich die
Schäden zu sehen und Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Ich muss gestehen, dass ich von
all den Regierungsfunktionären sie am meisten schätze. Sie ist stark, ruhig und
eine entschlusskräftige Frau, die sofort medizinische Hilfe anordnete.
Es ist heldenhaft, ein Gesundheitssystem wie das unsere herzunehmen und
versuchen, es zu verbessern. Und noch heldenhafter ist es, das unter
Katastrophen-Bedingungen zu versuchen. So dass ich als Frau stolz bin auf sie
und sie beglückwünsche. Hoffentlich erhält sie auch alle erforderliche
Unterstützung dabei. Und hoffentlich bringt ihre Heldenhaftigkeit sie dazu, in
dem gar nicht so heroischen, doch alltäglichen Kampf gegen diesen lautlosen
Hurrikan, den die Bedrohungen gegen das Leben der Frauen darstellen, eine
Vorreiterrolle zu spielen. Im Bereich der häuslichen Gewalt etwa, oder bei der
fehlenden Familienplanung, oder bei diesem fragwürdigen und tödlichen Gesetz,
das den Frauen den Schwangerschaftsabbruch verbietet, selbst wenn sie sich in
Lebensgefahr befinden.
Doch ich möchte weder vom Thema abweichen noch von der Tragödie der vielen von
ihrem Land vertriebenen Menschen, sondern nur darauf hinweisen, wie
beeindruckend und schön jene Energien sind, die in den aus verschiedenen Gründen
hervorgerufenen Niederlagen durch die Solidarität ausgelöst werden. (…)
(Entnommen „El Nuevo Diario“, 9. 9. 07.
Vollständiger Text siehe
http://blogs.elnuevodiario.com.ni/articulos/221/blog-quincenal-belli-nuestras-tristezas)
GIOCONDA BELLI WIEDER AUF ÖSTERREICH-TOURNEE
Im Oktober wird die nicaraguanische Dichterin und Erfolgsautorin in mehreren
Städten
auftreten, begleitet von dem Grupo Sal.
Bei der diesjährigen Tournee wird Gioconda Belli aus einem Querschnitt ihrer
Gedichte lesen und so drei Jahrzehnte eines leidenschaftlichen Frauenlebens an
uns vorbeiziehen lassen. Die erotischen Gedichte der jungen Gioconda lösten im
katholisch-strengen Nicaragua einen Skandal aus, die Gedichte der reifen Autorin
resümieren die Erfahrungen, betrauern Abschiede – und entfachen doch immer
wieder neue Feuer, getrieben von der Lust am Leben. Gioconda Bellis Lyrik von
den 70er-Jahren bis heute sind Zeugnis von poetischer Kraft, Sinnlichkeit und
dem Willen, das eigene Leben und den Lauf der Welt zu gestalten.
Die Übersetzungen werden, wie schon bei der Tournee vor zwei Jahren, von der
Schauspielerin Viola Gabor vorgetragen. Musikalisch begleitet wird die Lesung
vom Gruppe Sal, die heuer ihr 25-jähriges Jubiläum feiern.
Termine:
16.10.: Posthof Linz, 20 Uhr
17.10.: Karl-Franzens-Universität Graz, 20 Uhr
18.10.: Saal der Fernwärme Wien, 19 Uhr 30
19.10.: Literaturhaus Salzburg, 20 Uhr
20.10.: Treibhaus Innsbruck, 20 Uhr.
Nähere Infos auf www.panyarte.org.
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DIE ZWEI SEITEN DER MORAL / II
In der letzten Nummer brachten wir eine Zusammenfassung über die Polemik
zwischen Kardinal Obando y Bravo und der Dichterin und Katholikin Michèle Najlis
sowie ein Interview mit ihr. Wir setzen nun die Diskussion fort und bringen auch
eine Rezension eines eben in Österreich erschienenen Buches der nicaraguanischen
Lyrikerin.
II) „DAS GERÜCHT UND DIE VERLEUMDUNG“: Die Antwort des Kardinals
Eine Woche später antwortet Kardinal Miguel Obando y Bravo in derselben Zeitung
Michèle Najlis „zu Ehren der Wahrheit“, wie er selbst sagt.
„Das Gerücht ähnelt dem Falschgeld, das am Anfang von großen Kriminellen geprägt
und später von ehrlichen Menschen verwendet wird, die das Verbrechen verewigen,
ohne es zu wissen.
Die Sprache ist ein Schwert, die spitzteste Lanze, die mit einem Schlag gleich
drei Personen durchdringt: den, der spricht, den, der zuhört und den, über den
gesprochen wird. Wir sind von Lügen infisziert, die den guten Ruf von ehrlichen
Leuten beflecken. Ströme von Lügen, die versuchen, die Häuser zu zerstören, die
Kirche, die in verworfenen, neidischen, eifersüchtigen und verantwortungslosen
Herzen hergestellt werden. (...)
In der Ausgabe des 'Nuevo Diario' vom Sonntag, 29. April, ist ein Interview mit
Frau Michèle Najlis unter dem Titel 'Die zwei Seiten der Moral' abgedruckt.
Darin heißt es: 'Die Opposition der Kirche war die Opposition in diesem
Augenblick. Sie führte die Opposition an, auf politischer Ebene, würde ich
sagen, und nicht auf militärischer. Doch selbst auf militärischer Ebene, denn
Obando hat die Gringos um Waffen für die Contras ersucht.' Da es sich um ein in
einem Drckmedium veröffentlichtes Interview handelt, muss ich zu Ehren der
Wahrheit in demselben Medium darauf antworten.
Die historischen Gegebenheiten, die wir in den letzten vierzig Jahren erlebt
haben, waren eine ständige Konfliktsituation bis hin zu Bürgerkriegen und im
Gefolge davon Tote, Klagen, Trauer, Schmerz und materielle Verluste. Unter
diesen Umständen lag es an mir, zu intervenieren, um den Dialog als einziges
Mittel zum Frieden und zur Versöhnung ausschließlich aller Nicaraguaner zu
suchen.
Bei einer der Vermittlungen, an denen ich während des Krieges beteiligt war,
ersuchte mich während einer Feuereinstellung eine Gruppe von Personen, die sehr
unter den Folgen der Kämpfe litt, ihnen Waffen zu beschaffen. Meine Antwort war:
'Der Friede wird nicht durch Waffen erreicht, doch ihr könnt mit mir rechnen,
dass ich euch humanitäre Hilfe besorge.' Nicht einmal damals, in den schlimmsten
Augenblicken des Krieges, noch zu irgendeinem anderen Moment habe ich
irgendjemandem Waffen beschafft. (Obando bezieht sich dabei auf die
Beschuldigung von Michèle Najlis, er habe die USA um Waffen für die Contras
gebeten. Anm.d.Red.)
Deshalb erkläre ich, dass diese Behauptung von Frau Michèle Najlis völlig falsch
ist. Aus meiner Bildung und meiner Berufung heraus folge ich dem Satz von Jesus,
als er Petrus befahl: Leg das Schwert an seinen Platz, denn wer zum Schwert
greift, wird durch das Schwert umkommen.
Die Vergebung gegenüber den Feinden, von der die Märtyrer aller Zeiten ein
Beispiel abgelegt haben, ist ein überzeugendes Zeugnis der Radikalität der
christlichen Liebe.
Der Kardinal zur
Dichterin: Das getane Übel muss anerkannt werden.
Die Vergebung setzt sich auf
keinen Fall der Suche nach Wahrheit entgegen, sondern sie erfordert einfach die
Wahrheit. Das getane Übel muss anerkannt und nach Möglichkeit korrigiert werden.
Wir Nachfolger von Christus, getauft in seinem Tod und seiner Auferstehung,
müssen immer Männer und Frauen des Erbarmens und der Vergebung sein.“
III) „MIT DER WAHRHEIT LÜGEN“: Ein Kommentar von Andrés Pérez Baltodano
Wiederum eine Woche später, Mitte Mai, publiziert der bekannte nicaraguanische
Politologe Andrés Pérez Baltodano, der sich viel mit theologischen und
christlichen Themen beschäftigt, in der Zeitschrift „Confidencial“ einen
Kommentar zur Auseinandersetzung zwischen Najlis und Obando y Bravo:
„Beim Lesen des Beitrags 'Das Gerücht und die Verleumdung' von Miguel Obando y
Bravo als Antwort auf die Erklärungen von Michèle Najlis erinnerte ich mich an
die Worte von José Coronel Urtecho (nicaraguanischer Dichter, gestorben ....;
Anm.d.Red.), der einmal sagte, dass unter dem Somozismus die Korruption des
Wortes ein derartiges Ausmaß erreicht hatte, dass Somoza II. seine Minister
damit betrügen konnte, indem er ihnen die Wahrheit sagte.'
Genau das macht Obando in seiner Antwort auf Michèle Najlis: Er lügt, während er
uns etwas sagt, was ja klar ist.Er hat nie Waffen für die Contras verlangt, das
heißt, er hat nie gesagt: 'Ich möchte Waffen für die Contra.' Obando hat sich
darauf beschränkt, Dinge zu sagen, von denen er wusste, dass sie dazu beitragen,
dass die Contras weiterhin bewaffnet werden. Wer daran zweifelt, soll die
Erklärungen von Obando in der Washington Post lesen, die Najlis in ihrer
großartigen Antwort an Obando zitiert.
Im letzten Abschnitt seiner Laufbahn hat Obando die 'Doppelzüngigkeit, die
Verstellung und die Scheinheiligkeit', die der Katechismus der katholischen
Kirche als Verletzungen des Achten Gebots verurteilt (Paragraph 2468), zur
Vervollkommnung entwickelt. Zwei Beispiele: Obando hat das Evangelium in seiner
berühmten Messe von der Schlange – am 17. Oktober 1996 – gefälscht und so zur
zweiten Wahlniederlage von Ortega beigetragen. Obando hat bei dieser Gelegenheit
nicht gesagt: 'Stimmt nicht für die FSLN'. Er hat sich darauf beschränkt, Dinge
zu sagen, von denen er wusste, dass sie die Gläubigen dazu bringen werden, gegen
diese Partei zu stimmen.
Ein anderes Beispiel, vom 25. Mai 2000. Obando vermied es, die Korruption der
Regierung von Arnoldo Alemán zu kritisieren, und sagte nur, um gegen diese
Geisel anzukämpfen, bräuchten wir 'einen Wechsel der gesamten Gesellschaft'.
Obando sagte nie: 'Ich unterstütze die Korruption', er verlangte bloß die
'Sozialisierung der Schuld'. Andere Kirchenführer unterstützten ihn, indem sie
sagten: 'Wir alle sind Sünder', als ob die Sünde und die vom Gesetz als Delikt
katalogisierten Vergehen ein und dasselbe wären. Nicht jeder 'Sünder' ist ein
Verbrecher oder ein Krimineller.
Obando verletzt weiterhin das Achte Gebot, das die Lüge verbietet. Heute nützt
er den Einfluss der Kirche, um eine Regierung zu legitimieren, die die Lüge und
die Macht der Lüge in unserem Land repräsentiert. Und natürlich sagt er nicht:
'Meine Kinder, ich teile euch mit, dass ich beschlossen habe, mich mit dem
hochwürdigen Herrn Präsident Ortega ins Bett zu legen.'Obando stopft uns nur –
zum Beispiel in seiner Ansprache vom 9. Mai – mit seinen 'Unklarheiten,
Banalitäten und Zweideutigkeiten' voll. Coronel Urtecho benützte diese
Bezeichnungen, um die Kunst des Lügens, indem man die Wahrheit sagt, zu
erklären.
Obando wird es vermeiden, die Wahrheit über seine Gründe der Zusammenarbeit mit
der FSLN zu sagen. Er wird es vermeiden, die Wahrheit über die Lügen der FSLN zu
sagen. Er wird es vermeiden, zur Wahrheit beizutragen, die Nicaragua so dringend
nötig hat, um die Versöhnung, die Gerechtigkeit und den Frieden zu erreichen.“
Gedichtband von Michèle
Najlis in Österreich erschienen!

Die nicaraguanische Dichterin
und katholische Publizistin ist schon seit vielen Jahren regelmäßig zu Gast in
Österreich – eines der Ergebnisse der engen Beziehungen zwischen dem kleinen
Alpenland und dem sandinistischen mittelamerikanischen Staat in den 80er-Jahren.
Najlis ist auch Lektorin an der Universität Klagenfurt. Auf Deutsch erschienen
bereits 1997 ihre „Gesänge der Iphigenie“ im Drava-Verlag in Klagenfurt.
Aufbauend auf Texten des Stundengebetes und des Römischen Messbuches, schreibt
Michèle Najlis ihre Gesänge einer spirituellen, liebenden Frau. Es sind vielfach
Anrufungen, Liebesgedichte an Gott, den Herrn der Schöpfung, der aber in alter
mystischer Tradition auch der Gott aller Fragen und Zweifel sowie der Gott allen
Trostes ist. Es ist nicht das skeptische „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn
aus der Engel Ordnungen?“ Rilkes, das dem fernen und doch so nahen Gott der
Schöpfung entgegengerufen wird, es sind Oden der Liebe an die Schöpfung selbst,
Oden der Liebe an die Menschheit, die da aus dem Körper einer zutiefst geistigen
und sinnlichen, solidarischen Frau klingen.
„Heute nenne ich dich / tiefer Fluss / Friede / blühender Flammenbaum. / Ich
nenne dich Licht / Vogel / unvorhersagbarer Wind. / ... Heute nenne ich dich
auch Schweigen / nie genügendes Wort / verklungene Musik, Gott / immertönende
Einsamkeit.“ (Seite 14/15) Diese Anrufung, diese Namensgebung hat den Ort des
personifizierten Demiurgen unserer Kirche längst verlassen, sie reiht sich ein
in die zeitlosen Liebesgedichte mystischer Denker aller Kulturen und Religionen.
Das große DU des Geliebten wird zum unaussprechlichen Namen, wird zum All, zum
Tao, denn „der Name, kann er genannt werden, ist nicht der ewige Name“, wie es
schon Lao Tse erkannt hatte. „Gott, befreie mich von Gott!“ rief Meister Eckart
aus, der große deutsche Mystiker des späten Mittelalters. Es ist dieser „von
Gott erlöste Gott“, den Michèle Najlis anruft, und an ihn ist auch ihr
Schlussgebet gerichtet: „Ich nehme Abschied im Schweigen deiner Abwesenheit /
deines seienden Nicht-Seins / Stille / und gegenwärtige Ferne.“
Die „tönende Einsamkeit“ klingt und schwingt noch lange nach dem Lesen nach.
Hervorzuheben ist die sehr genaue und auch sprachlich gelungene, treffende
Übersetzung von Gerhard Hmmerschmied – das schönste Zeichen von Respekt und
Achtung, das man einer Dichterin, einem Dichter entgegenbringen kann.
Spanischsprechende LeserInnen können sich anhand der ebenfalls abgedruckten
Originaltexte selbst überzeugen. Auch das sorgfältige Lektorat verdient lobende
Erwähnung.
Míchèle Najlis: Tönende Einsamkeit. La Soledad Sonora. Spanisch / Deutsch.
Übersetzt von Gerhard Hammerschmied, mit einem Geleitwort von Janko Ferk. Verlag
Hermagoras / Mohorjeva, Klagenfurt 2007. 96 Seiten, € 12,-.
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EXPORT-BOOM
Die Ausfuhren Nicaraguas stiegen in der ersten Jahreshälfte um 19,75 %.
Wie die Regierungsagentur Zentrum für Export-Abwicklungen (CETREX) bekanntgab,
erreichten die Ausfuhren des Landes von Jänner bis Juni gegenüber demselben
Zeitraum des letzten Jahres eine Steigerung von 19,75 %. Oder, in US-Dollars
ausgedrückt, eine Erhöhung von 628,3 auf 752,4 Mio.
Kaffee ist weiterhin das Ausfuhrprodukt Nr.1, obwohl das Exportvolumen von 154,7
Mio $ auf 125,8 fiel. Auf den nächsten Plätzen folgen Fleisch (105,2 Mio $),
Zucker, Milchprodukte, Gold und Erdnüsse. Als Ursache für die Steigerung der
Ausfuhreinnahmen werden bessere Weltmarktpreise Kaffee, Fleisch und Gold sowie
eine höhere Produktivität bei einigen Agrargütern angegeben.
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